-------  DT is also on Facebook! -------

 ♦  ♦  ♦

- welcome -

  
This is a comprehensive guide to travel to 'dark-tourism' destinations worldwide.
Covering over 700 individual places in 108 different countries.
    
This site aims to promote and also rehabilitate dark tourism. There has been a lot of negative reporting in the media about DT, often on the basis of an ill understood concept of DT and/or together with bad examples that are not really representative of dark tourism as a whole. 
So PLEASE NOTE from the start: dark tourism, as understood on this site, does NOT include 'slum tourism' or any such overt voyeurism, NOR does it include 'war tourism' (travel to ongoing war zones), NOR 'danger tourism', NOR 'ghost hunts' or anything 'paranormal', NOR battle re-enactments, NOR role-play theatre such as at Karosta prison. See beyond DT!
It furthermore distances itself from disrespectful tourist bahaviour such as selfie-taking at sites of tragedy (see also ethical issues).
What IS endorsed here is respectful and enlightened touristic interaction with contemporary history, and its dark sites, in a sober, educational and non-sensationalist manner.   
 
 
---- see mission statement for a longer outline of what this site is about ----
 
---- see also disclaimer and imprint ----
     
If the term 'dark tourism' is all new to you, first check out this basic informal explanation: what is dark tourism. See also 'why a dark tourism travel guide?' for an outline of the basic rationale of what brought this site about.
  
There is also a nascent FAQ section. If you're from the MEDIA and not fully familiar with the term dark tourism you may want to start there. Also check out the separate page giving a more elaborate answer to the question "is dark tourism something bad, sick or morally wrong?" (short answer: it is not!).
  
If you already consider yourself a dark tourist and want to know what dark places there are to visit in the world, and would like to get targeted information about such places, then go straight to the dark destinations section, which covers the practical side of dark tourism and forms the core of this website.
  
And now you can even join actual organized TOURS - new in 2015!!!
  
If you're looking for anything specific, any particular place name or key word, then you can also go via the index. In addition there is a glossary providing more background info and terminological explanations.
  
In the general dark tourism section there's also more about the academic concept of dark tourism, how dark tourism relates to other forms of tourism, what types and categories of dark tourism there are and where its limits lie. Furthermore various lists of the best of the best, the darkest, the most popular, the most exotic, etc., etc., are offered as well.
  
The "logo" at the top of each page of this website is further explained here.
  
A general note on the photos used on this website is to be found here.
  
NOTE: all texts, images, etc. on this site are COPYRIGHTED – i.e. DO NOT STEAL any of them, that is: do not copy anything without my prior (written) permission!!!  (See the explicit legal notes in the disclaimer and cf. imprint.)
  
If you like what you're reading and seeing, then do feel free to tell others about this site – in fact, I urge you to spread the word!!! I'm dependent on it (see about). 
 
Also please follow DT on Facebook! (I.e. click 'LIKE this page'!) In return you get a Photo of the Day of some dark-tourism site or other on a DAILY basis (whenever possible) and you can also view a few higher-resolution photo albums. 
  
PLEASE: if you spot any errors, or stylistic glitches, or things you find fault with for whatever reason and would like to have it put right, then use the contact details provided. Even the pointing out of the smallest typo will be gratefully received and responded to.
  
Sponsors and partners wanted!
   
  
 -------  DT is also on Facebook! -------  
 
 
 
 
   
  
  
Hallo mal wieder
 
nun sind schon wieder drei Monate ins Land gegangen ... hattest du meine E-Mail vom 15.9. (siehe unten nochmal in Kopie) denn eigentlich bekommen?
 
Und nun steht bei Sally und mir schon wieder das nächste Paket an Reisen bevor. Zuerst zu Familienbesuch nach GB - meine Familie kommt im Januar dran. Und dazwischen wieder ein exotisches Abenteuer: Ruanda. Wir bereiten uns gerade intensiv auf die ganze Thematik des Völkermords 1994 vor. Puh, das ist aber auch echt heftig. Wir kriegen schon Albträume und müssen vorsichtiger dosieren, was und wie viel wir lesen und an Filmen kucken. Auch auf der Reise selber werden wir die Besuche der ganzen Genozid-Gedenkstätten mit angenehmeren Gegengewichten kontrastieren, also vor allem Naturbeobachtungen. Highlight hier natürlich: die berühmten Berggorillas. Sally, die darauf bestanden hat, das wir das (trotz der fiesen Kosten) auch machen, wenn wir schon in dieses Land reisen, ist schon ganz verrückt darauf (zum Geburtstag habe ich ihr u.a. einen Stofftier-Gorilla geschenkt, den sie nun kaum noch loslässt - und statt mir des Nachts ihren Gorilla im Arm hält ... na ja, das bedeutet andererseits wohl, dass es ein sehr "erfolgreiches" Geschenk war ;-))
 
Das Gorilla-Trecking wird aber auch kein Spaziergang und unsere sehr mangelhafte Fitness wird schwer geprüft werden - immerhin geht es durch den Nebelwald in dschungeligem Gelände auf 3000 m Meereshöhe oder mehr, wo die Atemluft schon mal dünn wird. Aber wir werden es wohl hoffentlich bewältigen, wenn auch mit viel schnaufen und ächzen.
 
Meine Arbeit an der Website ist inzwischen auch ordentlich weiter gediehen, mittlerweile befülle ich die Datenbank, es nimmt also langsam Gestalt an. Ist aber auch noch viel Arbeit. Und dabei viel dröge Handarbeit. Hochladen der Texte, formatieren, Keywords eingeben und vor allem die unzähligen internen Links alle manuell einsetzen. Es ist aber schön zu sehen, wie es sich langsam anhäuft und real aussieht. Natürlich muss ich auch noch einiges schreiben - es sind immer noch nachzuholende Lücken, die ausstehen, und dann kommt ja auch ständig Neues dazu. Ruanda wird da sicher viel Zeit in Anspruch nehmen, gerade bei der Größenordnung der dunklen jüngeren Geschichte dort.
 
Sally hat weiter viel bei der OSZE zu tun, zusäzlich für die kasachische Delegation. Aber deren Vorsitz geht nun zuende, also wird auch diese Zusatzarbeit wohl demnächst abebben.
 
Noch bis Freitag geht's so weiter; dann geht's los nach GB und sofort danach nach Ruanda, von wo wir am 4.1. zurückkommen (um am 7. schon wieder auf Familienbesuch nach Norddeutschland abzuheben ... durch HH kommen wir dabei leider nur ganz kurz auf der Durchreise, keine Zeit für ein Treffen, sorry)
 
Also nutze ich jetzt schon mal die Gelegenheit, dir schöne Weihnachten und nen Guten Rutsch zu wünschen!!!  Was sind die Pläne bei dir? Und überhaupt, wie geht und steht es so? ... am Stock wie auch im übertragenen Sinne. Ist die Tochter mittlerweile aufm Sprung ins teure London?  
 
Meld dich doch mal wieder zurück! Bis Freitag hab ich noch diese E-Mail, ansonsten besser die alte bei Yahoo verwenden (die ich anders als diese nämlich auch auf Reisen ab und an mal einsehen können sollte: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. )
 
Alles Liebe
 
Peter
 
 
 
----- Original Message -----
From: "Peter Hohenhaus" < This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. >
To: "Christa" < This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. >
Sent: Wednesday, September 15, 2010 11:38 AM
Subject: Re: kurzer Gruß zurück - jetzt längere Replik
 
> moin moin nach HH!
>
> nun schulde ich dir ja noch ne entspanntere Antwort - und mittlerweile sind
> die Dreckwäscheberge auch schon abgetragen (nur wachsen die ja auch zuhause
> immer von alleine wieder nach!). Die Fotosortierung und Bearbeitung ist
> ebenfalls abgeschlossen, jetzt geht es ans schriftliche Nachbearbeiten.
> Letztes Wochenende war zudem ein langes, wo Sally mal Freitag und Montag
> frei hatte, sodass wir das für eine kleine Rundfahrt im Mietwagen genutzt
> haben - obwohl wir erst so kurz wieder ausm Kaukasus zurück waren. Aber es
> wär blöd gewesen, die Zeit nicht zu nutzen. Und so ging es zu einem dunklen
> Ort hier in Ösi-Land, der noch ausstand: nämlich die KZ-Gedenkstätte Ebensee
> mit ihrem tiefen Stollen im Berg (wo mal V2-Raketen von Zwangsarbeitern
> zusammengeschraubt werden sollten, so ähnlich wie in Miittelbau-Dora, nur
> dass Ebensee nicht mehr vor Kriegsende fertig wurde). Schon gruselig (und
> kalt!) so mitten im Berg!
>
> Danach nach Berchtesgaden, was ja gleich hinter der Grenze liegt, in jener
> deutschen Blase, die sich südlich ins Ösi-Land drückt. Dort waren
> dunkeltouristisch der Obersalzberg und das Kehklsteinhaus abzuhaken.
> Nazi-Geschichte. Das Kehlsteinhaus, international als "Eagle's Nest"
> bekannt, war ein Teehaus, gebaut als Geschenk für Adolf zu seinem 50sten -
> hoch auf dem Berg auf 1850m Seehöhe, errichtet für horrendes Geld. Und dabei
> war Arschie H nur 14 Mal höchstselbst dort oben. Der Guide notierte, dass
> die 14 Tassen Tee demnach die teuersten der Weltgeschichte waren - bei 140
> Millionen US Dollar Baukosten fürs Kehlsteinhaus, inkl. Zufahrtstraße und
> Lift, also 10 Mio $ pro Tasse Tee!! Wieviele tausend Containerladungen
> Darjieling man dafür wohl bekäme ...
> Neben dem etwas bedrückenden Kehlsteinhaus gibs da auch noch andere
> "Highlights", darunter wieder unterirdische Bunkeranlagen am (unterm)
> Obersalzberg. Auch hier war's wieder kalt und düster - aber alles trotzdem
> sehr massentouristisch! Gerade Amis kommen in Scharen. Na ja, für mich ist's
> nun abgehakt. Mehr Pflichtübung denn wirkliches Interesse. Bei der
> "Kultseite" der Nazisgeschichte sträubt sich in mir immer einiges. Immerhin
> gebe ich zu, dass die das in Berchtesgaden, angesichts der schwierigen
> Thematik, doch ganz gut hingekriegt haben mit der Aufbereitung. Eine
> Pilgerstätte für Neo-Nazis ists zum Glück keineswegs.
>
> Als Gegengewicht hatten wir uns zudem nett eingemietet in einem
> "Resort-Hotel", wo Sally sich ausgiebig saunen konnte, im Pool spaddeln und
> sonstige Spa-Dinge genießen, während ich auf dunkeltouristischer
> Forschungs-Tour war.
>
> Nächsten Tag gings weiter nach Italien (liegt ja dem Ösi-Lande auch so
> nah!), zunächst nach Vajont, jenem Ort, wo sich 1963 eine der schlimmsten
> Staudamm-Katastrophen ereignete, als ein Bergrutsch den Stausee über die
> Staumauer schickte und die Welle den ganzen Ort Langarone hinfortspülte. An
> die 2000 Tote gabs damals. Und es hätte alles verhindert werden können, denn
> dass der Berg instabil war, hatte man wissen können und müssen. Doch
> italienische Korruption und Profilierungssucht drängten die Bedenken
> beiseite, und so kam es dann, wie es kam. Lange war das Thema tabu, doch
> heute ist die Vajont-Staumauer ein regelrechter Touristenmagnet geworden,
> eines der dunkeltouristischen Highlights in Italien. Es war jedenfalls
> ziemlich voll dort - zu unsrer Überraschung. Man kann die weitgehend
> unbeschädigt gebliebene Staumauer sogar begehen. Und das ist schon irre, von
> da oben in die 260m Tiefe hinter der Mauer in die Schlucht zu kucken (das
> ist fast so tief wie der Hamburger Fernsehturm hoch ist - so mal zum
> Vergleich!). Vor der Mauer holt sich die Natur die Geröllhalde des
> Bergrutsches zurück, wo heute Wald steht - aber man kann noch die riesige
> kahle Narbe am Berghang sehen ...
>
> Mit Wetter hatten wir Glück bis zum letzten Tag, dem der Rückfahrt.
> Eigentlich wollten wir da am Morgen noch ein Dolomiten-Highlight
> "mitnehmen", nämlich die berühmten Drei Zinnen, doch das Wetter war wieder
> umgeschlagen und man konnte im dichten Regen nicht mal die Füße der Berge
> sehen. Also haben wir alles weitere gestrichen und sind direkt nach Hause
> durchgefahren.
>
> Und der Kaukasus? Nun, ich weiß gar nicht wo ich anfangen (oder aufhören)
> soll. Angefangen hatten wir in Baku, der mystisch-orientalischen Hauptstadt
> Aserbaidschans am Kaspischen Meer. Orientalisch ist dort allerdings nur die
> mittelalterliche Altstadt (Unesco Weltkulturerbe, aber gefährdet), drumrum
> tobt der Öl-Boom mit wildester morderner Architektur. Hat beinahe was von
> Peking, aber mit ner ordentlichen Portion Sowjetunion (plus türkischer
> Orient mit reingemischt - schon sprachich: Azeri ist fast identisch mit
> Türkisch). Wir fanden's klasse!
> Zwei Tagesausflüge führen uns zum einen zu den berühmt-berüchtigten
> aserbaidschanischen Schlammvulkanen (wo von unterirdischen Gasen getrieben
> kalter gruer Schlamm an die Oberfläche dringt und dort vor sich hin blubbert
> und schmatzt - bzw. furzt. Völlig schräge Sache! Und das mitten in wilder
> Halbwüsten-Landschaft bei 45 Grad im (nirgends vorhandenen) Schatten!
> Der zweite Tagesausflug führte uns durch die alten Ölfördergebiete, wo
> haufenweise rostige Bohrtürme und Pumpen rumstehen, teilweise auch auf
> kilometerlangen Piers bis ins weite Meer hinaus. Sehr postapokalyptisch und
> James-Bond-mäßig (tatsächlich: der 007-Streifen "Die Welt ist nicht genug"
> wurde z.T. hier gedreht). Am Abend dann noch der Feuerberg: Hier brennt seit
> Jahrzehnten an einem Berghang austretendes Erdgas vor sich hin. Sehr
> hypnotischer Anblick!
>
> Mit dem Nachtzug dann von Baku nach Tiflis, Georgien. Von dort Tagesausflug
> nach Gori - Stalins Geburtsstadt. Und der olle Onkel Jo ist hier immer noch
> Held. Im staatlichen Stalin-Museum ist die Zeit 1953 einfach stehen
> geblieben. Von Stalins Totenmaske, über seine Judendbilder, revolutionären
> Heldentaten bis hin zu Geschenken von allen möglichen Freunden (unter
> anderen auch aus der DDR) und sogar seine holperige Dichtkunst werden
> abgedeckt ... aber kein Wort von Gulags oder so. Fraglos eines der
> surrealsten Museen auf der Welt. Zu Recht berüchtigt für seine
> Einseitigkeit.
>
> Dann gings auf große Tour durch Armenien - und darüber hinaus: wir waren
> sogar in Bergkarabach, jener umkämpften armenischen Enklave mitten in
> aserbaidschanischem Gebiet - jedenfalls bis zum Waffenstillstand von 1994.
> Seither ist die Region de facto Teil von Armenien (zusätzlich eine
> "Pufferzone" drumrum, die eindeutig mal aserbaidschanisch war), auch wenn
> sich Bergkarabach, bzw. Nagorno-Karabach, als unabhängiger Staat versteht
> (weshalb man auch ein separates Visum braucht - mit dem im Pass man dann
> nicht nach Aserbidschan einreisen könnte ... drum waren wir dort zuerst).
> Am spannendsten war ein Kurzbesuch in Agdam, heute der Welt größte
> Geisterstadt, einst eine aserbaidschanische Stadt von 100.000 Einwohnern,
> die direkt im Grenzgebiet, in der "Pufferzione" liegt, nunmehr komplett
> entvölkert und ausgeplündert. Ein Meer von hohlen Hausruinen, das langsam
> zuwächst und wegkrümelt. Eigentlich darf man da gar nicht hin, weil das
> Visum nur das eigentliche "Staats"-Gebiet von Karabach abdeckt, aber nicht
> die "Pufferzone" zu Aserbaidschan. Und weil es jüngst auch mal wieder
> Scharmützel zwischen den beiden Erzfeinden an jener Grenze gegeben hat,
> wurde uns davon abgeraten, bis ins Zentrum von Agdam zu fahren (theoretisch
> könnte einen das Militär dort festnehmen), aber eine kurze Fahrt durch die
> Randgebiete war drin. Sehr nervenkitzelnd.
> Ansonsten war's auch dort nur nett. Ebenso wieder zurück im eigentlichen
> Armenien. Viel Natur und viel uralte Architektur von sehr charakteristischer
> Art (mir gefällt ja der armenische Kirchen-Bau-Stil mit am besten). Eriwan
> dagegen ist eher trist. Am allerbesten war's dann in der Shirak-Region - was
> zum Großteil an unserem enthusiastischen Guide dort lag. Was für eine
> Charakter-Figur.Wunderbar. wir haben weiter Kontakt. Hauptgrund für mich,
> dorthin zu reisen, war die Spitak-Erdbeben-Katastrophe von 1988, die die
> Stadt Gjumri weitgehend in Trümmer legte (mit Ausnahme der soliden Altbauten
> aus der Zarenzeit). So manche Ruinen prägen auch heute noch das Stadtbild.
> Auch waren wir an der nahegelegenen türkischen Grenze, wo wir rüber nach Ani
> blicken konnten, wo wir 2007 bei unser Türkei-Rundreise schon mal waren.
> Auch den Berg Ararat hatten wir wiedergesehen, diesmal von der anderen
> Seite, der armenischen.
> Mit den Türken liegt Armenien ja ebenfalls im Clinch - vor allem wegen des
> Völkermordes von 1915, der in der Türkei bis heute munter geleugnet wird.
> Bei aller Feindschaft mit seinen beiden Nachbarn im Westen wie Osten, so
> gelingt es Armenien andererseits als wohl einziges Land der Welt beste
> Beziehungen zu haben mit sowohl Russland, den USA und Iran. Das kann wohl
> sonst niemand von sich sagen! Zu Georgien ist das Verhältnis OK, etwas wie
> bei neidischen Geschwistern, aber ohne echten Konflikt.
>
> Nach Georgien ging unsere Reise dann auch wieder für den letzten Abschnitt.
> Zunächst nach Batumi am Schwarzen Meer. Dann wieder nach Tiflis - was
> übrigens ne prima Stadt ist - und von dort in den hohen Kaukasus. Da
> erwischte uns beim Bergwandern ein Wettersturz, der uns binnen Minuten bis
> auf die Knochen durchnässte. Weil die Wanderstiefel nur so über Nacht nicht
> trocknen konnten, sind wir am folgenden Tag dann mehr im Jeep unterwegs
> gewesen, mit nur kurzen Strecken zu Fuß auf ebenem Grund. Tolle
> Gebirgslandschaft war aber auch vom Tal aus, bzw. auf mit Jepp zu befahrenen
> Bergpässen, allenthalben zu bewundern.
>
> Zum Abschluss waren wir dann noch in Georgiens Weinland in Kachetien. dort
> ist der Wein vor ca. 8000 Jahren erfunden worden, und hier und da wird er
> immer noch in antiker Weise hergestellt: in großen Amphoren-artigen
> Tongefäßen (genannt Qvevri), die im Boden vergraben werden und in denen der
> Wein mit der Schale reift. Das ergibt einen einzigartigen Stil, der mit nix
> sonst auf der Welt zu vergleichen ist. Nicht jedermanns Sache, aber wir
> fandens höchst reizvoll. Übrigens: wenn du sowas mal selber probieren
> möchstest, dann sitzt du in Hamburg an der Quelle (besser als wir - in
> Ösi-Land gibt es gar keinen georgischen Wein): an der Hoheluftchaussee 53
> gibt es den Laden GeoVino, wo man ne gute Auswahl bekommt. Vor allem der
> "Kisi" von "Vinoterra" ist zu betonen, weil das ein 100% im Qvevri
> vergorener Charakter-Wein ist. Wir haben ihn vor Ort probiert und können
> bezeugen, das das was ganz großartiges ist. Mit 16,90 Euro nicht ganz
> billig, aber einmal muss sowas probiert werden! Also los. Hingehen! Wir
> werden auf dem Postwege was bestellen.
>
> Überhaupt das Lukullische - in Georgien ganz großartig, und für uns
> Nicht-Fleisch-Esser am zugänglichsten (der Rest des Kaukasus ist sehr
> Karnivoren-orientiert). Die georgische Haupt-Landesspezialität ist
> Chatschapuri, ein schwer käsegefüllte Teigangelegenheit, die ebenso lecker
> wie kalorienschwer ist. Auch die Wallnuss-strotzenden Vorspeisen sind nicht
> eben Diätkost. Und so ist die georgische Küche zum Abnehmen nicht geeignet.
> Das müssen wir jetzt zu Hause anders probieren, mit eher leichter
> fernöstlicher Kost vielleicht.
>
> so - jetzt noch ein paar Komentare zu deiner ursprünglichen Mail:
>
>>>> eine zweite für den PC. Bald bist du reif für die Raumgleitsichtbrille.
>
> ja, wird wohl kommen. Meine erste Lesebrille reicht schon nicht mehr ganz.
> So richtig Kleingedrucktes fällt mir auch mit Brille schwer zu lesen. Ohne
> geht's nur bei extragroßer Omi-Schriftgröße ... na ja ... dafür hör ich noch
> ganz gut (zu gut - muss oft Ohrstöpsel reintun, um Schlafen zu können)
>
>
>>>> Mir geht es gut, es sei jedoch erwähnt, dass die Multiple Sklerose mich
>>>> mittlerweile zwingt am Stock zu gehen.
>
> ständig?!? oder nur bei entsprechenden Wegen?
>
>
>>>> Fahrradfahren funktioniert wie eh und je, das Theaterspielen auch. Und
>>>> solange ich auf der Bühne noch ganz die Alte bin, solange will ich mich
>>>> nicht beklagen.
>
> immerhin! Ich wünsch dir, das das so bleibt!
>
>
>>>> Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass das Kind aus dem Haus ist
>
> und wo ist es? In eigener Wohnung mit ihrem Kevin (so war doch der Name,
> oder?)
>
>
>>>> und ich genieße  den Luxus eine Drei-Zimmer-Wohnung  allein zu behausen.
>>>> Ich hab die Wohnung ein bisschen umgestellt und vor Kurzem renoviert.
>>>> Die Renovierung hab ich ganz alleine gewuppt, worauf ich direkt ein
>>>> bissl stolz war, denn das Handwerkern is ja nich so meine Domäne.
>
> Respekt!! sollten wir wohl auch mal machen ... aber ...
>
>
>>>> Es tat gut, mich im Zuge der Renovierung, von etlichem alten Gedöns und
>>>> Krimskrams oder überhaupt von alten Sachen  zu trennen. Dumm eigentlich,
>>>> dass ich jüngst Hamburgs Flohmärkte wieder entdeckt habe. Schwups ziehen
>>>> die alte Dinge wieder ein, in die Griegstraße.
>
> uns geht's ähnlich, nur dass wir uns nicht vorher von Altem trennen, sondern
> immer weiter aufhäufen. Unsere Wohnung gleicht zunehmend einem schrägen
> Museum, bis hin zum mit Bildern, Postkarten und Fundsachen zugepflastertem
> Klo (ein "Erlebnisklo" nannte es meine Schwester mal, als sie zu Besuch war)
>
>
>>>> Gestern gerade hab ich zwei sehr frivole Bildchen auf dem Flomi
>>>> erstanden, (ich handel ja wie ein alter Marokkaner), die ich
>>>> wahrscheinlich abhängen muss, wenn mein Vater oder meine Mutter zu
>>>> Besuch kommen. Seufz. Frauen mit Dildos im Jugendstil. Natürlich im
>>>> Jugendstil, im Rokoko hatten sie ja noch keine Dildos. (An dieser Stelle
>>>> ahne ich schon, dass du mit Sexspielzeug aus der Antike kontern wirst.)
>
> hi hi hi - nicht ganz, aber ich kann prähistorische Pornografie anführen:
> gesehen in einem archäologischen Freiluft-Museum in der Nähe von Baku!
> Steinmetzarbeiten mit eindeutig zweideutigen Darstellungen! In der Gegenwart
> ist der Kaukasus dagegen eher konservativ ...
>
>
>>>> Bist du eigentlich auf Facebook? Ich schätze ja nicht. Oder muss man das
>>>> heutzutage? Ist das ein must-have? Ääääh, must-be? Ääääh must-was?
>
> muss wohl wirklich irgendwann - noch bin ich in der Hinsicht gesichtslos,
> aber sobald ich meine eigene Site habe, werde ich auch auf Facebook Präsenz
> zeigen, schon um auf meine eigentliche Site verweisen zu können.
>
> Mit alten Kontakten ist das so ne Sache. Ich weiß, für viele ist das das
> Größte an Facebook. Für mich hat das auch abschreckende Aspekte. Auch schon
> ohne Elektronik. Neulich versuchte doch eine der Tanten meiner Ex per auf
> Umwegen weitergereichtem Brief eine Kontaktaufnahme (drohte gar, in Wien zu
> sein, und wollte mich treffen). Da waren wir zum Glück grad im Kaukasus
> unterwegs. Und ich hab mich nicht gerührt ... so ging der Kelch an mir
> vorüber. Selber würd ich das Wespennest lieber nicht anstechen.
> Andererseits erwähnte sie auch Rainer, zu dem ich ja auch den Kontakt
> komplett verloren habe, aber schon mal wieder nachhaken wollen würde. Hast
> du noch irgendwelchen Kontakt, wie indirekt auch immer (über Eckie
> vielleicht)?
>
>
>>>> In den Urlaub fahren, lasse ich dieses Jahr mal ausfallen. Zum Einen
>>>> muss ich mich,  auch da aus gesundheitlichen Gründen, erstmal neu
>>>> orientieren. Ich benötige schon hautnah organisierten Transfer, aber wer
>>>> will schon Pauschalreisen, bäääh. Und Ausflüge und Spaziergänge sind
>>>> leider nicht mehr drin.
>
> das hört sich nun aber doch schon dramatischer an - und ist mir nicht ganz
> klar: alleine Wohnung renovieren geht, aber Spazierengehen nicht?
>
>
>>>> Eine befreundete Kollegin von mir hat ein schönes Haus in Spanien, nah
>>>> am Meer, aber da war ich nun schon zweimal. Ich halte dieses Jahr aber
>>>> auch meine ganz paar angesparten Penunsen fest, (es sei denn ich verjux
>>>> sie für Liebeskugeln aus der Biedermeierzeit - höhö), im Hinblick
>>>> darauf, dass Anna das erste halbe Jahr 2011 in London studieren will.
>>>> Das kommt mich teuer. Sis Zitti is ixpänziff!
>
> it is indied!  Was will sie denn da studieren?
>
>
>>>> Und Anna kann in London nicht im Cafe Schmidt Rhababerschorle an die
>>>> hippen Ottenser verticken, sprich ihre eigenen Penunsen verdienen.  Die
>>>> Londonsache ist noch nicht in trocknen Tüchern, aber wir rechnen damit
>>>> (im doppelten Sinne.)
>>>> Hamburg ist ja nun bürgermeisterlos. Den Bürgermeister los, mein ich,
>>>> "Ohne von Beust" heißt das auf hamburgisch. Den Nachfolger will keiner,
>>>> aber er wird es wohl trotzdem werden. Das muss man sich mal auf der
>>>> mentalen Zunge zergehen lassen. Stell dir vor, du bewirbst dich um einen
>>>> Job, keiner will dich und du kriegst den Job trotzdem.
>
> ist doch in der Politik öfter so! Von ohne Beust hatten wir gehört.
> Vielleicht eröffnet das ja mal die Chance für eine Abwahl der CDU, wie sich
> das im traditionellen Arbeiter-Hamburg schließlich gehört!
>
> So wie in im traditionellen roten Wien an der eben nicht blauen Donau -
> demnächst ist hier Bürgermeisterwahl, und die gruselige FPÖ (blau) rührt
> schwer die Wahlkampftrommel gegen die SPÖ (rot), in typisch populistischer,
> rassistischer Art. Der Haider Jörg ist ja angemessen in die ewigen
> Obersturmbannführer-Jagdgründe eingegangen, aber sein Wiener Clon ist in
> mancher Hinsicht noch unerträglicher ... H.C. Strache heißt das Ekelgesicht,
> dem ich gewünscht hätte, dass er bei Haiders letzter Fahrt mit auf dem
> Beifahrersitz gewesen wäre ... ich vertraue aber auf die Wiener, dass die
> dem bei der Wahl den Laufpass geben und dem dicken SPÖ-Häupl weiter die
> Stange halten (auch wenn's schon sehr klüngelig ist, aber immer noch besser
> als son schmieriger Nazi im "Volksnah"-Schafspelz)
>
>
>>>> Anna und ich haben zusammen (das Kind ist ja noch in der Griegstraße
>>>> gemeldet) FÜR die Schulreform gestimmt, (6 Jahre Grundschule). 40
>>>> Prozent der Hamburger sind zur Volksabstimmung gegangen. (Das nenn ich
>>>> ein repräsentatives Ergebnis!) Ich schätze, das waren überwiegend diese
>>>> blasierten Möchte-Gern-Emporkömmlinge, denen es offensichtlich
>>>> schietegol ist, wer die Rente ihrer Enkel zahlt. Die, die es eigentlich
>>>> betrifft, die gucken lieber Gerichts-Soaps vom Sofa aus, weil die
>>>> Volksentscheidsbenachrichtigung, die haben die gar nicht gekriegt. Was
>>>> wahrscheinlich daran liegt, dass sie mal wieder versäumt haben ihren
>>>> Namen an ihrem maroden Briefkasten zu befestigen. Und die Kosten für das
>>>> Sofa, die zahlen die mit schmerzlich hohen Raten, von dem Geld für den
>>>> Lebensunterhalt, an die ARGE zurück. Die Schulreform ist jedenfalls
>>>> gescheitert.  Aber das soll nix damit zu tun haben, dass Hamburgs
>>>> Ex-Bürgi grinsend im Sylter Strandkorb chillt. Tschä, herrscht nicht
>>>> phil Harmonie im Senat und an der Ölbe.
>
> danke für die Zusammenfassung und den Statusbericht. Von dem
> "Volksentscheid" hatte ich gehört, auch Interviews mit jenen
> Emporkömmling-Schnösel-Eltern im TV gesehen. Da ahnte ich schon, dass es
> wohl nix werden würde.
>
> Apropos "phil Harmonie" - ist die Elbphilharmonie nicht auch ihr eigener
> Skandal mittlerweile (jedenfalls Etat-mäßig)?
>
> ... so damit mal Schluss für heute - deine übrigen Fragen hatte ich ja schon
> beantwortet.
>
> Und wenn du auch mal wieder Schreibdrang verspüren solltest, dann würde ich
> mich über einen schriftlichen Gegenzug sehr freuen.
>
> Einstweilen alles Liebe
>
> und mit wiener Gruß
>
> Peter
>
>

© dark-tourism.com, Peter Hohenhaus 2010-2016